Zur Ausstellung - Galerie Gut Gasteil - April 2026
Ein kräftiger, ausdrucksstarker Strich in Tusche, Acryl, Öl und Kreide kennzeichnet die teils erkennbar figuralen und teils abstrakten Formen in den Arbeiten von Andrea Schnell. Der stark intuitiv und emotional geprägte Arbeitsprozess und die Lust an diesem spontanen Vorgehen werden dabei auch für den Betrachter unmittelbar spürbar, bevor sich beim näheren Hinsehen oft ironische und symbolische Details bemerkbar machen. Weibliche Körper und Landschaften spiegeln das innere Erleben und die Stimmungen und Empfindungen der Künstlerin - und bieten beim Betrachten Anknüpfungspunkte für die eigene Geschichte. Explosionsartig erfolge der erste Arbeitsschritt beschreibt Andrea Schnell den Beginn jedes Werks. Da finden sich einmal zart mit Feder und Tusche gezogene Striche, ein anderes Mal hingeworfene Farbspritzer aus dem mit Tusche getränkten Pinsel oder auch durchscheinend breite Pinselstreifen. Mit Neugier und völliger Offenheit und einem umfangreichen Fundus an Materialien bewegt sie sich dabei bewusst meist außerhalb ihrer Komfortzone: Ergänzend zur vielfältig ausgeführten Linie, die überwiegend in Schwarz und dunklem Blau erfolgt, setzt sie gemalte Farbflächen, bearbeitet das Papier in der Folge teilweise mit großer Intensität, zerreißt, collagiert oder ergänzt den Malgrund mit großer Freiheit und dem Risiko des Scheiterns und der Zerstörung. Immer wieder wird das Ergebnis mit zeitlichem Abstand reflektiert und hinterfragt, dann findet sie die Markierungen für die Weiterbearbeitung und die innere Ordnung im Bild, werden kleine Details mit aufgeklebten Elementen betont oder minimale Punkte eingefügt. Als besonderes Arbeitsmaterial nützt sie „gelebtes Papier“, wie sie es nennt, wie altes Büttenpapier, Handschriften und alte Druckwerke, deren strukturiertes Schriftbild sie inspiriert, energetisch aufgeladen zu antworten. Die weibliche Figur in ihrer Symbolik und auf einer allgemeinen Ebene ist ein anhaltend wichtiges Thema. Die Personen lösen sich in den aktuellen Arbeiten in abstraktere und landschaftsähnliche Formen auf und symbolisieren mit poetischer Kraft auch die spirituell-mythologische Innenwelt der weiblichen Protagonistinnen - und die starke Verbundenheit der Künstlerin mit der Natur.
Verena Kienast
Zu den Arbeiten "In Schwebe", Essingerhaus Mödling, Mai 2023
Die Zeichnungen sind durch eine Leichtigkeit in der Gestik, einem "Schweben" beim Auftragen der Tusche auf das Papier, entstanden. Die Bildkomposition - vorab nicht festgelegt - war so lange in Schwebe, bis alle Gestimmtheit und Schwung aus meinem Inneren den Weg auf das Blatt gefunden hat, in einem Wurf.
Wenn vom Betrachten des ganzen Blattes zum fokussierten Erkunden einzelner Details gewechselt wird, könnte man diese gedankliche Neuorientierung als Moment "in Schwebe" bezeichnen. Diese Landschaften entziehen sich der Rezipierbarkeit durch herkömmliche Sehgewohnheiten und wollen im Detail erforscht werden.
A. Schnell